2026-08-04
Braucht es im KI-Zeitalter noch ein MVP? 211 Millionen Codezeilen zeigen: Nacharbeit von 3,3 % auf 7,1 %
Muss man im KI-Zeitalter noch mit einem MVP anfangen, noch in Phasen ausliefern? Wirft man einer KI eine Idee hin, antwortet sie in acht von zehn Fällen zuerst mit „lass uns eine minimal funktionsfähige Version bauen“ — und dieser Vorschlag ist aus den Trainingsdaten auswendig gelernt, nicht gerechnet. Das Agile Manifesto stammt von 2001, The Lean Startup von 2011, und die ganze Methodik ruht auf einer Prämisse: dass eine grobe Umsetzung erheblich weniger kostet als eine vollständige. In den Händen einer KI ist diese Prämisse verschwunden. Cursor zu sagen, speichere es in localStorage, oder zu sagen, nimm PostgreSQL mit Connection Pool, unterscheidet sich um Minuten. Schlimmer noch: Die Rechnung einer KI ist umgekehrt aufgebaut wie die eines Menschen — der Großteil der Eingabe-Token ist Kontext und nicht die Aufgabe, und zwei Wiederholungsversuche können die Kosten einer Sitzung verdreifachen. GitClears Analyse von 211 Millionen Zeilen zeigt, dass der Anteil an Code, der binnen Tagen nach dem Merge umgeschrieben oder gelöscht wird, von 3,3 % auf 7,1 % gestiegen ist. Dieser Text zerlegt, warum Iteration für die menschliche Kostenstruktur entworfen wurde und wo „einmal richtig“ sich von „alles auf einmal“ unterscheidet.